[Review] 2 Jahre Kurzschluss und 9 Jahre Null-Records @ Sackfabrik Magdeburg (07.02.09)
2 Jahre Kurzschluss und 9 Jahre Null-Records
Wenn zwei Geburtstag feiern, freut sich nicht nur ein Dritter sondern viele mehr. Besonders, wenn alle die Liebe zur elektronischen Tanzmusik vereint. Kurzschluss und Null-Records nahmen sich dieser Weisheit an und begangen gemeinsam ihre Jubiläen in der Sackfabrik Magdeburg mit pumpenden Technobeats. Der Ehrentag in doppelter Ausführung spiegelte sich natürlich im Lineup wider. Null Records rückte mit seinen umtriebigsten Artist an und so konnten sich Freunde der härteren Gangart unter anderem zu einer Liveperformance von Bill Youngman sowie zu kraftstrotzenden, experimentellen DJ-Sets von Hanno Hinkelbein, Beni und Steph in der Hall austoben. Ein Tick gediegener, aber nicht minder enthusiastisch, gab die Kurzschluss-Crew im Club Anstoß zum Tanz. Als Unterstützung holten sie nach DJ Hell, getreu ihrem Mottos „Tradition und Moderne zu verbinden“ nun den zweiten Begründer des Munich-Technos in die Elbestadt: Richard Bartz.
Gegen kurz vor halb eins, zu einer für meine Verhältnisse eher ungewöhnlich späten Zeit, erreichte ich endlich die Sackfabrik. Nebenbei: Das war die Konsequenz aus zwei asynchronen Uhren – meiner Inneren und die der Magdeburger Verkehrsbetriebe. Zeit vergeht, Zeit ändert. Beim Rundgang durch die Lokation vielen mir sofort einige Veränderungen auf. Kurzschluss hatte Zeit genutzt und die Hall vollkommen neu gestaltet. Statt wie sonst die eigentlich für Bands gedachte erhöhte Bühne zu nutzen und dort ein DJ Pult zu installieren, bauten sie davor und ebenerdig das Equipment auf und verdeckten die Rockerplattform geschickt mit zwei Leinwänden, welche zusammen mit einer auf der gegenüberliegenden Seite gelegenen Projektionsfläche die Musik optisch durch kunstvollen Visuals untermalten. Zudem verkleinerten mit schwarzer Folie bespannte Bauzäune die Halle auf Klubgröße, mit dem Effekt, dass eine intime Atmosphäre geschaffen wurde, die eine angenehme Nähe zu den Acts ermöglichte. Respekt dafür und bitte das ebenerdige Pult beibehalten. Bei aller Schönheit verweilte ich dort dennoch nicht all zu lang. Noch war mir nicht nach so derben Brettern, wie sie von Sven Hanke und Thomas Schneider im Wechselspiel auf die Tanzfläche abgefeuert wurden. Da war mir der warme Technosound, den Aromaenne im Club darbot, um einiges genehmer. Vom pumpenden Bass massiert und dem Anblick der bereits zahlreich emsig Tanzenden stimuliert, tat ich es ihnen alsbald gleich. Lange konnte ich das Set jedoch nicht mehr genießen. Um halb zwei war der Wechsel zu Mike Dehnert. Der Tresor Resident und Betreiber von Fachwerk Records produziert seit 2000 eigene Tracks und spielte live. Mit Spannung verfolgte ich die ersten Minuten seiner Performance und war nach einer viertel Stunde etwas enttäuscht. Der Sound war mir ein wenig zu dünn und es fehlte nach meinem Geschmack an Dynamik.
In der Hall spielte unterdessen der Gießener Steph hingebungsvoll vorwärtsgewandten, mit einer Prise Funk versehenen, experimentellen Techno, der sogar eine sonst eher ruhig eingestellte Person wie mich mitreißen konnte. Man war das lang her, als ich das letzte Mal zu diesem Typ elektronischer Musik dermaßen ausgelassen das Tanzbein geschwungen habe. Weit weg getrieben hat es mich dann aber doch nicht. Durst führte mich zur Bar und von dort ging mein Weg zurück in den Club.
Mike Dehnerts Liveact hatte mittlerweile ordentlich an Fahrt zugelegt und durch zu Ladung schwerwiegender Elemente an Tiefgang gewonnen. Ich hätte vielleicht doch noch ein paar Minuten ausharren sollen. Part zwei konnte mich überzeugen und endete mit einem großen Finale. Kurz zuvor hatte Richard Bartz sein Live Equipment verkabelt und schien auf seinen Einsatz zu lauern. Anders, als man durch seine Position auf der Bühne erwartet hätte, setzte er nicht gleich ein, sondern erhob die Arme zum Applaus und gab der Crowd Raum jubelnd zu danken. Eine einsetzende Vocal-Sequenz und los geht´s. Weit über ein Dekade Live-Erfahrung, die man hört und die einen mitnimmt. Da störte auch das bisschen Knistern nicht, um eine perfekte Abfahrt zu erleben. Es ist wirklich selten, dass man so vielseitige Liveacts zu hören bekommt. Umso mehr ärgert es mich, dass ich ihn nicht bis zum Schluss hören konnte. Daran Schuld waren wieder asynchrone Uhren: Meine Innere, die des MVB-Fahrplans und die des Line Ups.
Bilder:
http://www.kurzschluss-rec.de/ oder www.myspace.com/kurzschlussrec
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